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Wie viele Wörter passen auf eine Buchseite? Nachgemessen

Von Kernsetzer gesetzt, fasst eine Seite im Taschenbuchformat 12 × 19 cm bei 11 Punkt etwa 230 Wörter Roman, in A5 etwa 310 und in 15,5 × 22 cm etwa 340. Ein Roman mit 300 Normseiten in 20 Kapiteln wird damit im Taschenbuchformat etwa 418 Seiten dick, in A5 etwa 324. Die meisten Seitenrechner teilen dagegen durch feste 250 oder 300 Wörter pro Seite. Hier geht es darum, woher meine Zahlen kommen und wie weit sie tragen.

Wörter pro Seite nach Format und Schriftgröße

So viele Wörter eines deutschen Romans, Dialoge eingeschlossen, setzt Kernsetzer mit dem Design Klassisch auf eine Seite:

Format10 Pt11 Pt12 Pt
12 × 19 cm284232205
13,5 × 21,5 cm364298246
A5373307268
15,5 × 22 cm410339298

Ein Sachbuch mit langen Absätzen fasst 6 bis 11 % mehr, im Taschenbuchformat bei 11 Punkt 248 Wörter. Englischer Text passt dichter, weil die Wörter kürzer sind: Eine Seite im amerikanischen Format 6 × 9 Zoll fasst bei 11 Punkt etwa 400 Wörter eines englischen Romans, deutsch sind es 351.

Warum feste 250 Wörter pro Seite nicht stimmen

Eine Faustregel behandelt die Seite wie eine feste Menge Text. Das ist sie nicht. Wie viele Wörter auf eine Seite passen, hängt an der Länge der Zeile und der Zahl der Zeilen, und beide ändern sich mit Format, Schriftgröße, Rändern und Schrift. Vom Format 15,5 × 22 ins Taschenbuchformat 12 × 19 cm verliert jede Seite bei 11 Punkt fast ein Drittel ihrer Wörter, von 339 auf 232. Von 11 auf 12 Punkt geht noch einmal rund ein Achtel verloren.

Bei deutschem Text liegt die Regel deshalb in beide Richtungen daneben. Mit 250 Wörtern pro Seite würden aus den 300 Normseiten oben etwa 353 Seiten. Im Taschenbuchformat werden es aber rund 418, in A5 nur 324. Je nach Format verschätzt sich die Regel also um 65 Seiten nach unten oder um 29 nach oben.

Außerdem fehlen in einer festen Zahl die Kapitel. Jedes beginnt auf einer neuen Seite, ein Stück weiter unten, und seine letzte Seite ist selten voll. In den Messungen waren das rund anderthalb Seiten pro Kapitel. Beim Roman oben machen die 20 Kapitel also etwa 30 seiner 418 Seiten aus. Derselbe Text in 10 Kapiteln wird 402 Seiten dick, in 40 Kapiteln 448.

Wie ich gemessen habe

Ich wollte die Zahlen aus demselben Satz, der auch das fertige Buch setzt. Kernsetzer setzt seine Seiten mit Typst, das in der App läuft, und derselbe Satz läuft auch auf der Kommandozeile, als kernsetzer render. Am 28. Oktober 2026 habe ich damit Probetexte in jedem Format des Rechners setzen lassen: 12 × 19, 13,5 × 21,5, A5 und 15,5 × 22 cm aus der Liste von BoD, dazu 5 × 8, 5,25 × 8, 5,5 × 8,5 und 6 × 9 Zoll aus der von KDP. Jedes Format in 10, 11 und 12 Punkt, mit dem Design Klassisch, seinen Rändern und seiner Schrift, Libertinus Serif.

Gesetzt wurden je zwei Texte auf Deutsch und auf Englisch. Der eine hat alle Absätze eines Romans, kurze Dialogzeilen eingeschlossen. Der andere hat nur die langen Absätze und sieht auf der Seite aus wie ein Sachbuch. Beide stammen aus den Testmanuskripten im Repository von Kernsetzer, die für die Tests der App geschrieben wurden, also aus keinem veröffentlichten Buch. Aus diesen Durchläufen kommen die Wörter pro Seite und auch die anderthalb Seiten pro Kapitel.

10,5 und 11,5 Punkt habe ich nicht gesetzt. Dafür nimmt der Rechner den Wert in der Mitte zwischen den Größen darüber und darunter. Die ganze Tabelle, beide Sprachen und beide Arten Text, steht im Skript des Rechners, page-count.js, und ein kleiner Test prüft seine Rechnung.

Was die Zahl verschiebt

Das Format. Eine Seite in 15,5 × 22 cm fasst bei gleicher Schriftgröße knapp anderthalbmal so viel wie eine im Taschenbuchformat. Der Roman mit 300 Normseiten wird in 12 × 19 cm etwa 418 Seiten dick, in 13,5 × 21,5 cm etwa 334, in A5 etwa 324 und in 15,5 × 22 cm etwa 298. Darin stecken jeweils sechs Seiten für Titelei, Impressum und Inhalt.

Die Schriftgröße. Bei 10 Punkt passt etwa ein Fünftel mehr auf die Seite als bei 11, bei 12 Punkt rund ein Achtel weniger. Im Taschenbuchformat reicht derselbe Roman damit von 348 Seiten bei 10 Punkt bis 468 bei 12 Punkt.

Die Kapitel. Jedes kostet rund anderthalb Seiten, wie oben, egal wie lang es ist. Viele kurze Kapitel machen ein Buch dicker als wenige lange.

Die Art des Textes. Kurze Dialogzeilen enden früh und lassen den Rest der Zeile leer. Deshalb passt von einem Roman weniger auf die Seite als von einem Sachbuch. Als Sachbuch gesetzt, hätte derselbe Text im Taschenbuchformat 392 statt 418 Seiten.

Die Sprache. Deutsche Wörter sind länger. Im deutschen Probetext kam ein Wort mit seinem Leerzeichen auf 6,12 Zeichen, im englischen auf 5,26. Eine deutsche Seite fasst deshalb rund 15 % weniger Wörter als eine englische. Für deutschen Text ist die Zeichenzahl das bessere Maß, darum rechnet der Seitenrechner auch mit Normseiten zu 1.800 Zeichen.

Wie genau das ist

Rechne bei jeder dieser Zahlen mit etwa 10 % nach oben oder unten; diesen Bereich zeigt auch der Rechner. Sie gelten für das Design Klassisch. Eine breiter laufende Schrift wie Georgia, größere Ränder oder mehr Zeilenabstand machen das Buch dicker, eine schmalere Schrift dünner, und eine andere Schrift mit anderen Rändern kann die Zahl um 10 bis 20 % verschieben. Bilder, Tabellen, Gedichte und Zwischentitel sind gar nicht eingerechnet.

Außerdem stehen hinter den Zahlen zwei Probetexte pro Sprache. Ein Roman mit mehr Dialog als der Probetext wird etwas dicker, einer mit weniger etwas dünner. Sobald das Buch gesetzt ist, kennst du die echte Seitenzahl, und die gilt dann für Druckerei und Cover.

Rechner und Anleitung

Der Seitenzahl-Rechner rechnet das für dein eigenes Manuskript aus, in Wörtern, Zeichen oder Normseiten, mit Format, Schriftgröße und Kapiteln, und gibt dazu die Rückenbreite bei KDP an. Die Anleitung Das richtige Buchformat geht die Listen von BoD und KDP durch und zeigt, was jedes Format mit der Seitenzahl macht. In Kernsetzer selbst ist die Seitenzahl keine Schätzung: Änderst du Format oder Schriftgröße, wird das ganze Buch neu gesetzt. Die öffentliche Beta beginnt Mitte November; hier kannst du dich anmelden.