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Warum ich die Vorlagen auseinandernehme

Im Moment wählst du in Kernsetzer eine von drei Vorlagen und nimmst sie, wie sie ist. Das war Absicht. Jetzt nehme ich die Vorlagen wieder auseinander, damit du sie mischen kannst. Um beides geht es hier, und an ein paar Stellen wird es ein bisschen technisch.

Warum erst ganze Vorlagen

Bei einer gut gesetzten Seite kommt es vor allem darauf an, dass alles zusammenpasst. Die Zeilen stehen auf einem Raster, damit die Zeilen der linken Seite auf derselben Höhe stehen wie die der rechten. Der Kapitelanfang muss den Text darunter wieder genau auf dieses Raster bringen. Ändert sich der Zeilenabstand, muss der Kapitelanfang mitwandern. Keine dieser Entscheidungen steht für sich allein.

Deshalb wollte ich zuerst ganze Seiten richtig hinbekommen, bevor ich dir eine Auswahl gebe. Kernsetzer setzt mit Typst, einem in Rust geschriebenen Satzprogramm, das in der App läuft. Es bricht einen Absatz als Ganzes um statt Zeile für Zeile, trennt nach Sprache und hält Hurenkinder und Schusterjungen von der Seite fern. Jede Vorlage war eine Typst-Datei, die das ganze Buch gezeichnet hat, von der Titelseite bis zur letzten Seitenzahl.

So konnte ich die Vorlagen wirklich prüfen. Jede wird mit jedem Wert jeder Option auf den Beispielbüchern gesetzt, und dann schaue ich mir die Seiten an. Bei drei festen Vorlagen hat diese Liste ein Ende. Für dich geht es dadurch auch schnell: Eine von drei Vorlagen ist in ein paar Sekunden gewählt, und ein normaler Roman soll in unter einer halben Stunde vom Import zum Export kommen.

Was es gekostet hat

Am schnellsten kommt man zur zweiten Vorlage, wenn man die erste kopiert und umbaut. Genau das habe ich gemacht, zweimal. Jede Vorlage hatte am Ende 700 bis 1.000 Zeilen, und die meisten davon waren in allen dreien gleich. Sie finden heraus, was für eine Seite gerade dran ist (ein Kapitelanfang, eine Vakatseite, eine Seite mit Bild), wie breit die Ränder sind und wohin ein Bild kommt. Jeden Fehler darin musste ich dreimal beheben. Fünf weitere Vorlagen sind geplant, und acht Kopien wollte ich nicht.

Du siehst es von der anderen Seite. Literarisch schreibt „Erstes Kapitel“ aus und setzt ein kleines Ornament unter den Titel. Minimal setzt nur die Zahl. Klassisch beginnt den Text mit einer großen Initiale. Wenn du Klassisch magst, aber die ausgeschriebene Nummer willst, hast du Pech. Und jede Entscheidung gilt für das ganze Buch, du kannst zum Beispiel im Anhang nicht auf die Kolumnentitel verzichten.

Die erste Seite von Theodor Storms Immensee in drei Vorlagen. Klassisch: „Kapitel 1“, der Titel und eine erhöhte Initiale. Literarisch: „Erstes Kapitel“, der Titel kursiv und ein Ornament. Minimal: nur die Zahl 1.
Dieselbe erste Seite in Klassisch, Literarisch und Minimal. Im Moment gibt es jede nur als Paket.

Auseinandernehmen, ohne etwas kaputt zu machen

Deshalb zieht der gemeinsame Code in eine Bibliothek um, mit einem Baustein für jeden Teil des Buchs: das Zeilenraster, Kapitelnummern und Bezeichnungen, Ornamente, Szenenwechsel, Seitenzahlen, Titelseiten, Bilder. Die Vorlagen werden mit jedem Schritt kürzer. Heute haben sie 400 bis 570 Zeilen, und die Bibliothek etwa 1.200.

Dafür habe ich eine Regel: Keine Seite darf sich ändern. Vor und nach jedem Schritt werden die Beispielbücher gesetzt und verglichen: der Code, den Kernsetzer erzeugt, jede Zeile im PDF, jede Seite als Bild. Verschiebt sich auch nur eine Zeile, ist der Schritt nicht fertig. Bisher hat sich nichts verschoben. In der App merkst du davon nichts, und wenn ich es richtig mache, wirst du es auch nie.

Dann wird gemischt

Wenn die Bibliothek fertig ist, ist eine Vorlage eigentlich nur noch ein Ausgangspunkt: ein Kapitelanfang, ein Szenenwechsel, eine Art von Kolumnentitel, dazu Schriften und Ränder. Alles liegt in der Bibliothek, also passt alles zu jeder Vorlage.

Du wählst weiterhin zuerst eine Vorlage und tauschst dann aus, was dir nicht gefällt. Dabei wählst du nach kleinen Bildern, nicht nach Namen. Die App zeigt dir, was du gegenüber der Vorlage geändert hast, und du kannst es zurückholen. Eine Wahl kann für das ganze Buch gelten, für eine Art von Abschnitt (alle Kapitel, die Titelei, den Anhang) oder für ein einzelnes Kapitel. Ein paar Dinge bleiben mit Absicht im ganzen Buch gleich: die Schriftgröße, die Silbentrennung und die Ränder. Daran hängt das Zeilenraster.

Wenn du eine Reihe schreibst, kannst du die Gestaltung eines Buchs als eigene Vorlage speichern und das nächste Buch damit beginnen. Jedes Buch behält eine eigene Kopie, sieht also auf jedem Rechner gleich aus, und wenn du deine Vorlage später änderst, bleibt ein fertiges Buch, wie es ist, bis du etwas anderes sagst. Für eigene Vorlagen brauchst du eine Lizenz. In der Beta siehst du schon, wo sie hinkommen.

Bei einem Teil bin ich mir noch nicht sicher. Kolumnentitel und Seitenzahlen stehen in den Rändern, außerhalb des Kapiteltexts. Wenn jedes Kapitel eigene Kolumnentitel haben kann, muss jede Seite nachschauen, zu welchem Kapitel sie gehört. Genau solche Abfragen machen ein langes Buch langsam. Bevor ich das baue, messe ich es deshalb an einem Testbuch mit 867 Seiten, das im Moment etwa eine Drittelsekunde braucht. Ist es zu langsam, lassen sich Kolumnentitel nur für das ganze Buch oder eine Art von Abschnitt ändern, nicht für ein einzelnes Kapitel.

Was du nicht kaputt machen kannst

Die Freiheit hört da auf, wo der Satz anfängt. Jede Option muss das Zeilenraster halten, die Silbentrennung, die Regeln gegen Hurenkinder und Schusterjungen und die Anführungszeichen, die in den Rand hängen. Ein paar Feineinstellungen wird es geben (Einzug, Zeilenabstand, Ränder eine Stufe breiter oder schmaler), aber nur so weit, wie die Seite noch funktioniert.

Manche Kombinationen sind erlaubt und sehen trotzdem etwas seltsam aus, etwa ein verschnörkelter Kapitelanfang neben schlichten kursiven Kolumnentiteln. Die Tests finden kaputte Seiten, keinen fragwürdigen Geschmack. Das entscheidest du, und die Vorlagen bleiben ein guter Anfang.

Ein paar Dinge bleiben draußen: eigener Code, Dinge frei auf der Seite platzieren und einzelne Wörter über kursiv und fett hinaus gestalten. Kernsetzer ist weiterhin keine Textverarbeitung.

Wo es steht

Die Bibliothek ist zu etwa drei Vierteln fertig, und jede Seite sieht noch genau so aus wie vorher. Als Nächstes kommt jede Option in jede Vorlage, danach die Auswahl in der App. Die Beta startet am 16. November mit den drei Vorlagen, wie sie sind, und das Mischen kommt im Lauf der Beta dazu. Wenn du dir für dein Buch eine bestimmte Kombination wünschst, schreib mir.