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Gedankenstrich oder Bindestrich?
Von Lukas · aktualisiert am
Im Deutschen muss man zwei Striche auseinanderhalten: den kurzen Bindestrich (-) und den längeren Halbgeviertstrich (–), der als Gedankenstrich, als Bis-Strich und als Streckenstrich dient. Der lange Geviertstrich (—) kommt in deutschen Büchern kaum vor.
Der Bindestrich (-)
Das ist der Strich, den deine Tastatur rechts neben dem Punkt hat. Er verbindet Wörter und steht nie mit Leerzeichen: E-Mail, 3-Zimmer-Wohnung, Max-Planck-Straße. Als Ergänzungsstrich hält er den Platz für einen Wortteil, den man nicht zweimal schreiben will: Ein- und Ausgang, Vor- oder Nachteil. Am Zeilenende trennt er Wörter, aber darum kümmert sich das Satzprogramm.
Der Gedankenstrich (–)
Der Gedankenstrich ist ein halbes Geviert breit (ein Geviert ist ein Quadrat in Schriftgröße), daher der Name Halbgeviertstrich. Im Englischen heißt er en dash, weil er etwa so breit ist wie ein n. Er steht mit einem Leerzeichen auf jeder Seite und markiert eine Pause, einen Einschub oder eine Wendung im Satz:
Sie öffnete die Tür – und blieb stehen.
Der Brief – er lag seit Wochen auf dem Tisch – war nie geöffnet worden.
Ein Einschub bekommt zwei Striche. Braucht der Satz an dieser Stelle ein Komma, kommt es hinter den zweiten:
Als sie zurückkam – es war schon dunkel –, brannte im Flur noch Licht.
In wörtlicher Rede zeigt der Gedankenstrich, dass jemandem das Wort abgeschnitten wird: „Ich wollte doch nur –“ „Lass es.“ Verstummt jemand von selbst, passen Auslassungspunkte besser.
Bis-Strich und Streckenstrich
Derselbe Strich steht für „bis“ und für Strecken, dann aber ohne Leerzeichen: 1914–1918, 9–17 Uhr, Seite 12–15, der Zug Hamburg–Berlin. Wer „von“ schreibt, schreibt auch „bis“ aus: von 9 bis 17 Uhr, nicht von 9–17 Uhr. Für „gegen“ steht er mit Leerzeichen: das Spiel Deutschland – Frankreich.
Der lange Strich (—)
Der Geviertstrich ist so breit wie ein M. Amerikanische Bücher setzen ihn als Gedankenstrich, meist ohne Leerzeichen, und wer viel auf Englisch liest oder aus dem Englischen übersetzt, schleppt ihn leicht ein. Im deutschen Satz ist er unüblich. Schlimmer als der lange Strich ist nur, beide im selben Buch als Gedankenstrich zu verwenden.
Kein Strich am Zeilenanfang
Ein Gedankenstrich gehört ans Ende einer Zeile, nicht an den Anfang der nächsten. Ein geschütztes Leerzeichen davor, statt des normalen, hält ihn am vorigen Wort. Ein Bis-Strich wie in 1914–1918 sollte gar keinen Zeilenumbruch bekommen.
So tippst du die Striche
| Zeichen | Windows | Mac | Linux |
|---|---|---|---|
| – | Alt 0150 | ⌥ - | AltGr - |
| — | Alt 0151 | ⇧ ⌥ - | AltGr ⇧ - |
Das geschützte Leerzeichen bekommst du in Word mit Strg ⇧ Leertaste, auf dem Mac mit ⌥ Leertaste.
In Word
Word macht aus einem Bindestrich mit Leerzeichen davor und danach beim Weiterschreiben einen Halbgeviertstrich, wenn die AutoFormat-Option dafür an ist. Sie heißt etwas irreführend „Bindestriche (--) durch Geviertstrich (—)“ und steht unter Datei › Optionen › Dokumentprüfung › AutoKorrektur-Optionen › AutoFormat während der Eingabe. Zwei Bindestriche ohne Leerzeichen zwischen zwei Wörtern werden dabei zum langen Strich, und den willst du in einem deutschen Buch eher nicht.
Im fertigen Manuskript findest du die falschen Striche mit Suchen und Ersetzen: Suche nach Leerzeichen, Bindestrich, Leerzeichen, und ersetze den Bindestrich durch –. Kürzere Texte bringt das Werkzeug für Anführungszeichen und Gedankenstriche in Ordnung. Es macht aus einem Bindestrich mit Leerzeichen auf beiden Seiten einen Gedankenstrich und hängt ihn mit einem geschützten Leerzeichen an das Wort davor; Kernsetzer macht beim Satz dasselbe. Ein Ergänzungsstrich wie in „Ein- und Ausgang“ bleibt dabei, wie er ist, weil vor ihm kein Leerzeichen steht.